Verteuerung schlechte Vorzeichen 

Bierpreis als politisches Barometer

Der Bierpreis ist seit alters her ein politisches Barometer, das von der Bevölkerung mit großer Aufmerksamkeit betrachtet wird. Eine Verteuerung des Bieres war früher ein untrügliches Zeichen für bevorstehende schlechte Zeiten und Krieg. 

 

Schon im Juni 1866, mitten in der Mobilmachung Bayerns (das an der Seite Österreichs gegen Preußen kämpfte) kam es in München wegen einer Bierpreiserhöhung zu schweren Straßenschlachten. Um 1900 ist es seine kaiserliche Majestät Wilhem II., der wieder am Bierpreis rüttelt. Er braucht Geld für die Staatskasse, die durch totale Hochrüstung leer ist. 1908 ist das Deutsche Reich mit 4,5 Milliarden Mark verschuldet, steht vor dem Staatsbankrott. Der glücklose Reichskanzler von Bülow muß 1909 zurücktreten, sein Nachfolger Bethmann-Hollweg führt neue Steuern ein.

Auch der Freistaat Bayern muß sich dem Druck der Preußen beugen und verabschiedet Anfang 1910 in der Folge das sogenannte "Malzaufschlaggesetz", das vor allem von der katholischen Zentrumspartei propagiert wird. Die Bierbrauer ihrerseits schlagen diese zusätzliche Belastung prompt auf den Bierpreis auf. Für die Maß müssen 26 statt 24 Pfennig bezahlt werden.

 

Die Volksseele kocht 

Die Volksseele kocht. Von Niederbayern ausgehend kommt es zu Protesten und in der Folge zu einem Bierboykott. Selbst Wallfahrer verzichten auf die flüssige leibliche Erquickung nach ihrer "seelischen Speise".

Die ersten Drohbriefe werden an die Brauer geschrieben, ihnen angedroht, auf ihren Besitz den "roten Hahn" zu setzen. Mitte Mai brennt der Heuboden des Oberbräu in Markt Schwaben bei München.  Weiterlesen …