Trauer um Paul Gött
Auch in der letzten Rolle stark
Dorfen trauert um Paul Gött: Der langjährige Stadtrat und ehemalige dritte Bürgermeister ist am Sonntagabend einer schweren Krankheit erlegen. Gött, der sich um die Isenstadt große Verdienste erworben hat, wurde 81 Jahre alt.
Paul Gött war kein Mensch der großen Töne, keiner, der sich in den Mittelpunkt gedrängt hat. Er war ein sehr carismatischer Mensch, der pflichtbewusst, zuverlässig, gradlinig und ehrlich gelebt hat. Geboren im Juni 1929 in München zog es die Familie bald nach Dorfen. Götts Vater betrieb hier ein Tabakwarengeschäft. Im Alter von 30 Jahren übernahm er das Geschäft und baute es in der Folge zum Tabakwarengroßhandel aus. Trotz der großen geschäftlichen Erfolge ist der Tabakwarenhandel nie seine große Leidenschaft geworden. Doch Paul Gött sah es stets als Aufgabe, das Erbe seines Vaters zu bewahren und zu mehren. Vor etlichen Jahren wurde der Tabakwarenhandel verkauft. In den Ruhestand ging Gött dennoch nicht. Er fand seine Aufgabe in der Verwaltung seiner zahlreichen Immobilien. Bis kurz vor seinem Tod verwaltete der Verstorbene seinen Besitz selbst.
Paul Gött war stets zuverlässig und mutig, auch wenn es um seine politische Anschauung ging, die er in der CSU am besten vertreten sah. Freilich war Gött nie ein Parteisoldat. Immer wenn es seiner Meinung wiedersprach, scherte er auch aus der Meinung der Partei aus. In Dorfen war das beim Thema A 94. Im Bau der Isentalautobahn sah Gött die großen wirtschaftlichen Chancen für Dorfen. Obwohl er sich deswegen viel Kritik und persönliche Anfeindungen einhandelte, blieb Gött seiner Überzeugung treu. Doch er konnte auch diejenigen respektieren, die gegen die Autobahn kämpften. Und er war selbst denen nicht feind, die ihn persönlich bekriegten.
Über Jahrzehnte hinweg hat Gött Dorfen als Stadtrat mitgeprägt. Von 1956 bis 1984 und von 1990 bis 2002 war er Mitglied des Plenums. Von 2001 bis 2002 war er auch dritter Bürgermeister. Als langjähriges Mitglied im Bau- und Hauptausschuss prägte er alle wesentlichen Entscheidungen der Stadtentwicklung mit. Als Referent für das städtische Altenwohn- und Pflegeheim Marienstift hat er sich besonders für die Lebensverhältnisse der Senioren eingesetzt. Als Referent für die Nikolai-Bruderschaft, einer 100 Jahre alten Stiftung für bedürftige Dorfener Bürger, hat er richtungsweisend eine Vermögensumschichtung betrieben, mit deren Hilfe die Bruderschaft erhebliche Erlöse erzielen konnte. Nach einem großen Hochwasser im Jahr 1990 war er einer der Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative Hochwasser. Hier trat er stets sehr stark für umfassende Schutzmaßnahmen, insbesondere für eine Hochwasserfreilegung Dorfens ein. Daneben war Gött langjähriges Mitglied im Sparkassenzweckverband und im Aufsichtsrat der Stadtwerke Dorfen und hat hier zur wirtschaftlichen Prosperität der Stadt beigetragen. 2004 wurde ihm aufgrund seiner herausragenden Leistungen die kommunale Verdienstmedaille in Silber verliehen.
Privat liebte es Paul Gött ruhig. Über vier Jahrzehnte lang war er mit seiner Frau Annemarie verheiratet. Mit ihr hat Gött drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Es war ein schwerer Schlag für ihn, als seine Frau 2004 völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Doch seinen Lebensmut ließ sich Paul Gött auch dadurch nicht nehmen. 2007 trat er nochmals an den Traualtar und heiratete sein zweite Frau Elfriede. Für die Familie war das ein Glücksfall, da sie jeder kannte. Sie hatte Jahrzehnte vorher schon als klassisches Kindermädchen bei den Götts gearbeitet. Sein einziges und großes „Hobby“ waren seine 14 Enkelkinder. Für sie war er wohl der beste Großvater, den man sich vorstellen kann.
Zweimal, 1995 und 1999, zeigte der Verstorbene auch eine ganz andere Seite von sich. Er übernahm bei den Bierkrieg-Festspielen jeweils eine Hauptrolle als Amtsrichter von Schatte. Paul Gött ging in der Rolle regelrecht auf. Bei den Bierkriegern war er auch ein gern gesehener Mensch, der sehr zur guten Stimmung in der Truppe beigetragen hat. Auch für die Festspiele 2010 hatte Gött wieder die Rolle des Amtsrichters übernommen. Von Januar bis Ende Mai probte er und war wieder in seinem Element. Bis dahin vermeintlich völlig fit und gesund musste er plötzlich in die Klinik. Dort wurde eine schwere Erkrankung diagnostiziert. Paul Gött musste sich schweren Herzens davon verabschieden, auf der Bühne zu stehen. Bei der Premiere der Festspiele war er ein ganz besonderer Ehrengast und freute sich sichtlich über den Erfolg seiner Bierkrieger. Obwohl schon von der Krankheit gezeichnet, schaute sich Gött noch eine zweite Bierkrieg-Vorstellung an. Er versammelte dazu noch einmal seine Freunde um sich, um mit ihnen ein paar gemütlich Stunden verleben zu können. Dazu mobilisierte er die letzten Kraftreserven.
Es wurde, wie er wusste, die Abschiedsvorstellung von seinen Freunden. Er war auch in seiner letzten Rolle stark.
Toni Renner
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Der Seelengottesdienst für den Verstorbenen findet am Donnerstag, 19. August, um 10 Uhr in der Pfarrkirche Schwindkirchen statt. Um 12.30 Uhr wird Paul Gött dann im Dorfener Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.










